top of page

Pravfond – Das Geld hinter dem „Pravda“-Netzwerk

Aktualisiert: 14. Nov. 2025

Was klingt wie eine harmlose Stiftung zur Unterstützung russischer AuslandsbürgerInnen, entpuppt sich als ein weiteres geopolitisches Machtinstrument des Kremls: Pravfond – offiziell „Foundation for the Support and Protection of the Rights of Compatriots Living Abroad“ – hat über ein Jahrzehnt lang gezielt russische Geheimdienstoperationen, Desinformationskampagnen und rechtliche Verteidigung für Spione, Kriegsverbrecher und PropagandistInnen weltweit finanziert. Bereits 2023 sorgte ein Leak für Aufsehen, der enthüllte: Pravfond hatte unter anderem die juristische Verteidigung des berüchtigten russischen Waffenhändlers Viktor Bout mitfinanziert – jenem Mann, der wegen seiner Rolle im internationalen Waffenhandel den Spitznamen „Händler des Todes“ trägt. Die Unterstützung für Bout war kein Einzelfall, sondern Teil eines Systems.


Eine neuer Bericht des Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) offenbart, wie tiefgreifend das Netzwerk reicht: Interne E-Mails von fast 50.000 Nachrichten zeigen Zahlungen an über 1.000 Einzelpersonen und Organisationen, darunter ein verurteilter Spion in Lettland, ein paramilitärischer Anführer in der Krim-Annexion – und der in Australien lebende „Aussie Cossack“, der nach einer Straftat Zuflucht im russischen Konsulat suchte und schließlich per Putin-Dekret eingebürgert wurde.


Trotz EU-Sanktionen floss auch 2024 weiterhin Geld aus Moskau an Partner in Europa. Besonders aktiv war Pravfond in den baltischen Staaten, Deutschland und der Ukraine. Finanziert wurden nicht nur Rechtsanwälte, sondern auch prorussische Medien wie IMHOclub in Lettland und alternative Telegram-Kanäle.


Besonders brisant ist laut OCCRP der Fall von Yury Eremenko, einem bekannten prorussischen Aktivisten in Deutschland. Er betreibt die Website Russkoe Pole („Russisches Feld“), die sich russisch-patriotischer Propaganda widmet. Über einen Berliner Anwalt bot das Projekt, laut dem OCCRP Bericht, kostenlose Rechtsberatung für RUS Staatsbürger in DEU an. Für diese Aktivitäten erhielt eine von Eremenkos Frau geführte Organisation – mit ihm selbst als Stellvertreter – mindestens 180.000 Euro von Pravfond, darunter über 78.000 Euro nach dem EU-Sanktionsbeschluss von Juni 2023. Unter dem Namen „Gagarin-Verein für Integration“ bietet die Gruppe Kinderzeichenkurse, Russischunterricht und Kulturprojekte im Raum Erfurt an.


Laut den vom OCCRP ausgewerteten Nachrichten rühmt sich Eremenko damit, Verbindungen zur AfD-nahen Organisation „Vadar“aufgebaut zu haben – ausdrücklich mit dem Hinweis, dies solle nicht öffentlich bekannt werden, um Imageschäden zu vermeiden.

Noch schwerwiegender: Wie aus dem Bericht hervorgeht, gehen zwei europäische Geheimdienste davon aus, dass Eremenko in Kontakt mit Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU stand. Eine der Quellen berichtet, er habe demnach direkte Anweisungen von einem Vertreter der GRU-Einheit 54777 erhalten – jener Abteilung, die für psychologische Operationen zuständig ist. Dazu zählte unter anderem seine Teilnahme an einer Konferenz im Jahr 2016 sowie die Erstellung kremlfreundlicher Medienberichterstattung darüber.


Eremenko wurde zudem mehrfach mit Sergei Panteleyev fotografiert – einem von der EU sanktionierten GRU-Offizier, dessen Organisation zufällig auch die Pravfond-Webseite betreut.


Ziel: Loyalität gegenüber Russland, Informationslenkung, Einflussnahme. Edward Lucas (CEPA) bringt es auf den Punkt: „Das ist ein klassischer Fall einer Einflussoperation: legal getarnt, ideologisch motiviert – und mitten in unseren offenen Gesellschaften.“


Mehr zur Recherche: OCCRP – PravFonds Investigation

Kommentare


Digitaler_Ungehorsam_Logo_Schriftzug.png

Gesellschaft für digitalen Ungehorsam mbH

Schivelbeiner Straße 8

10439 Berlin

Tel:  030 - 21 46 50 80

Fax: 030 - 69 08 81 01

SOCIAL
  • Schwarz LinkedIn Icon
  • Instagram
bottom of page